

Meditation ist ein Weg, den Geist zur Ruhe zu führen und die Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Sie lädt uns ein, unser inneres Erleben bewusst wahrzunehmen, uns selbst tiefer kennenzulernen und Klarheit und innere Ruhe zu erfahren.
Meditation ist dabei nicht an eine bestimmte Religion gebunden. Sie folgt seit Jahrhunderten überlieferten Prinzipien und Übungen und kann Schritt für Schritt erlernt und vertieft werden.
Im Yoga führt dieser Weg zunehmend vom Außen nach innen – von der Wahrnehmung der Sinne über Konzentration und Meditation bis hin zu Samadhi, dem Zustand tiefster innerer Sammlung und Freiheit.
Im achtgliedrigen Yogaweg führt uns der nächste Schritt zu Pratyahara – dem Rückzug der Sinne.


Pratyahara bezeichnet die bewusste Hinwendung der Aufmerksamkeit von außen nach innen. Unsere Sinne nehmen fortwährend Bilder, Geräusche, Gerüche, Geschmack und Berührungen wahr – und der Geist folgt diesen Eindrücken nur allzu leicht.
In der traditionellen Yogapraxis lernen wir deshalb, die Aufmerksamkeit immer wieder von den äußeren Sinnesreizen zurückzunehmen und nach innen zu führen. Die Sinneseindrücke müssen dabei nicht verschwinden – wir üben vielmehr, ihnen nicht unwillkürlich folgen zu müssen.
So entsteht ein innerer Raum, in dem sich der Geist sammeln kann. Pratyahara bildet damit eine wichtige Brücke von der äußeren zur inneren Yogapraxis und bereitet auf Dharana, die Konzentration, und Dhyana, die Meditation, vor.
Yoni Mudra – die Aufmerksamkeit nach innen führen.
Beim Yoni Mudra werden die äußeren Sinneseindrücke durch das Verschließen von Augen, Ohren, Nase und Mund vorübergehend reduziert. Die Aufmerksamkeit kann sich dadurch verstärkt nach innen richten. Diese Techniken werden unter Anleitung gelehrt.

Wohin die Sinne sich wenden, dorthin folgt leicht der Geist.
Pratyahara übt, ihn wieder zurückzuführen.
Dharana bedeutet, die Aufmerksamkeit bewusst auf einen bestimmten Gegenstand, einen Gedanken oder einen inneren Betrachtungsbereich auszurichten und dort zu halten. Während der Geist häufig von einem Eindruck zum nächsten wandert, üben wir, die Aufmerksamkeit immer wieder zu sammeln und zurückzuführen.
Konzentrationsfähigkeit üben
Diese Fähigkeit ist nicht nur für die Meditation wertvoll. Bei einer Sache zu bleiben, ohne sich ständig ablenken zu lassen, unterstützt auch im Alltag Konzentration, Ausdauer und geistige Klarheit.
Von Dharana zu Dhyana
Wird die Konzentration zunehmend beständig und fließend, führt der Weg weiter zu Dhyana – der Meditation.


Meditation lässt sich beschreiben und erlernen – ihre eigentliche Qualität erschließt sich jedoch erst in der Erfahrung.
Traditionell wird zwischen Meditation mit Eigenschaft (Saguna) und ohne Eigenschaft (Nirguna) unterschieden.
Bei Saguna richtet sich die Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Inhalt oder ein Meditationsobjekt. Nirguna ist gegenstandslos, abstrakt und formlos.
Beide Formen müssen nicht voneinander getrennt bleiben:
Eine gegenständliche Meditation kann sich im Laufe der Praxis in eine stille, gegenstandslose Meditation vertiefen.
In Dharana wird die Aufmerksamkeit bewusst gesammelt und immer wieder zu einem gewählten Gegenstand zurückgeführt. In Dhyana wird dieses Verweilen zunehmend beständig: Die Aufmerksamkeit fließt ruhiger und kontinuierlicher, ohne ständig abzuschweifen.
Das Meditationsobjekt kann dabei ganz unterschiedlich sein – etwa der Atem, ein Mantra, ein inneres Bild, Licht, ein Chakra oder eine andere bewusst gewählte Wahrnehmung.
Meditation hat viele Wege
Auch die klassischen Hatha-Yoga-Texte kennen unterschiedliche Formen der Meditation. Beschrieben werden unter anderem Atem-, Herz-, Mantra-, Licht- und Chakra-Meditationen sowie Meditationen über das Selbst oder das Göttliche.
So unterschiedlich die Wege sein können, verbindet sie die zunehmende Sammlung und Verinnerlichung des Geistes.
Ruhe, Klarheit und innere Sammlung
Regelmäßige Meditationspraxis übt uns darin, Gedanken und äußeren Reizen nicht fortwährend folgen zu müssen. Wir lernen, innezuhalten, wahrzunehmen und bei uns zu bleiben. Daraus können mehr innere Ruhe, Klarheit und ein bewussterer Umgang mit unserem Erleben entstehen.

Im klassischen Yoga führt diese Vertiefung schließlich weiter zu Samadhi – der tiefen Versenkung und inneren Freiheit.
Im klassischen Hatha-Yoga endet der Weg nicht bei den Körperübungen. Asanas bereiten den Körper vor, Pranayama lenkt und verfeinert den Atem und die Lebenskraft, Mudras und Meditation führen die Aufmerksamkeit zunehmend nach innen.
Samadhi bezeichnet dabei einen Zustand tiefer Sammlung und – in seinen höchsten Ausprägungen – einen außergewöhnlichen Bewusstseinszustand, in dem die gewohnte Trennung zwischen dem eigenen Ich und dem, was uns umgibt, zurücktritt.
Für unseren heutigen Alltag dürfen wir uns diesem großen Begriff zunächst ganz behutsam nähern.
Wir alle kennen das Gegenteil von Sammlung: Wir sind aufgeregt, zerstreut, mit unseren Gedanken überall gleichzeitig – manchmal geradezu außer uns.
Yoga führt in die andere Richtung.
Zurück zum Atem.
Zurück zum Körper.
Zurück in die Wahrnehmung.
Zurück zu uns selbst.
Durch regelmäßiges Üben können Momente entstehen, in denen wir ruhig bei uns sind und Körper und Geist wieder als Einheit erleben. Das ist noch nicht jener höchste Zustand des Samadhi, von dem die alten Yoga-Texte sprechen. Aber vielleicht lässt sich darin bereits etwas von der Richtung erahnen, in die Yoga uns führen möchte.
Auf den höheren Stufen der Praxis beschreiben die klassischen Hatha-Yoga-Texte Samadhi als einen Zustand jenseits unseres gewöhnlichen Wach-, Traum- und Schlafbewusstseins. Worte wie Nicht-Zweiheit, Reinheit, Befreiung oder der vierte Zustand versuchen etwas zu benennen, das sich mit unserem alltäglichen Denken kaum mehr erfassen lässt.
Vielleicht liegt gerade darin eine der schönsten Botschaften dieser alten Überlieferungen:
Nicht alles muss verstanden werden, bevor es erfahren werden darf.
Und die Verheißung dieses Weges ist erstaunlich menschlich: mit der Vergangenheit nicht mehr zu kämpfen, der Zukunft nicht ängstlich oder erwartungsvoll entgegenzusehen und das eigene Glück nicht länger davon abhängig zu machen, dass irgendwann etwas Bestimmtes geschieht.
Im Frieden sein mit dem, was war.
Offen sein für das, was kommt.
Und im gegenwärtigen Augenblick wieder bei sich sein.
Vielleicht beginnt dort eine Ahnung dessen, was Sammlung bedeuten kann.
Mitten im Leben bei dir bleiben. Namaste - Deine Sylvia 🙏✨



